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IN der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG gelesen: Flughafen Magdeburg-Cochstedt – Bieterschlacht mit Apple?

logo_mz_webVon Mark Jeschor

Cochstedt – „Möchten Sie einen deutschen Flughafen erwerben? Wenn Sie Interesse haben, dann handeln Sie schnell.“ Dies sind die ersten Zeilen einer Meldung, die am Mittwochmorgen über die Nachrichtenagentur AFP verbreitet werden. Absender der Mitteilung ist die US-amerikanische Firma Liquidity Service aus Washington, die eigenen Angaben zufolge den Flughafen Magdeburg-Cochstedt verkaufen will. Es folgt eine detaillierte Beschreibung inklusive aller Vorzüge des Flughafens wie einen möglichen Rund-um-die-Uhr-Betrieb und der Hinweis, dass auch „Amazon, Apple, Tesla und Toyota nach möglichen neuen Standorten in dieser Region suchen“.

Was steckt hinter Mitteilung?

Diese Konzerne im Zusammenhang mit dem Flughafen Magdeburg-Cochstedt klingen zunächst ziemlich abenteuerlich. Wie sich aber herausstellt, steckt tatsächlich mehr hinter der Mitteilung – auch wenn Amazon oder Apple wohl nur für mehr Aufmerksamkeit sorgen sollen. Denn offenbar verhandelt nicht nur der seit Anfang des Monats für den Flughafen zuständige Insolvenzverwalter André Löffler aus Magdeburg mit potenziellen Investoren. Auch die nach eigenen Angaben an der amerikanischen elektronischen Börse Nasdaq gelistete Firma aus Washington versucht im Auftrag des Flughafenbetreibers Airport Development A/S, einen neuen Eigentümer oder Pächter für den seit Anfang des Jahres insolventen Flughafen zu finden: In Amerika und anderen Teilen der Welt über die Internetseite www.go-dove.com, wie Unternehmenssprecherin Jeanette Hanfling in Washington auf MZ-Anfrage mitteilte. Zugleich läuft der sogenannte Freiverkauf in Deutschland über das Internetauktionshaus Asset Orb GmbH mit Sitz in Berlin. Die Firma habe eine Kooperationsvereinbarung mit dem Unternehmen Liquidity Service, erklärt dessen Prokurist Philip Maurer ebenfalls auf MZ-Anfrage.

Details nicht bekannt

Details wie etwa die Höhe des Verkaufspreises oder Namen potenzieller Investoren waren am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen. Auch warum die Mitteilung erst Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens verbreitet wurde, sagte Hanfling nicht. Das Angebot steht bereits seit Anfang März auf der Internetseite. Stattdessen schickte sie per E-Mail eine Kurzbeschreibung der Unternehmensleistungen auf Englisch. Auch Maurer wollte sich mit Verweis auf das noch bis zum 30. Mai laufende Angebotsverfahren nicht weiter äußern. Er sagte lediglich, „es ist sehr selten, dass es für unsere Angebote keine Interessenten gibt“. Immerhin vermarkte man die Angebote weltweit. Zudem habe man in der Vergangenheit zum Teil auch erfolgreich Flughäfen verkauft. Jeder kann den Flughafen allerdings nicht erwerben, wie Maurer betonte. Entscheidend für den Eigentümer sei das Konzept hinter dem Angebot, so der Sprecher des Auktionshauses, das sich auf Insolvenzmasse spezialisiert hat. Tatsächlich findet sich auch ein Angebot für eine Kurklinik in Bad Pyrmont auf der Internetseite.

Notbremse nach fünf Jahren

Auch der Geschäftsführer des Flughafens Magdeburg-Cochstedt, Uwe Hädicke, hüllte sich am Mittwoch noch in Schweigen. „Im Interesse des Ergebnisses des derzeit laufenden Investorenprozesses ist es aus unserer Sicht nicht geboten, Zwischeninformationen zu veröffentlichen.“ Man wolle ein mögliches positives Ergebnis nicht gefährden, teilte Hädicke am Mittwochnachmittag auf MZ-Anfrage schriftlich mit. Der Geschäftsführer sicherte allerdings zu, die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit zu informieren.

Insolvenzverwalter Löffler ließ eine MZ-Anfrage am Mittwoch unterdessen unbeantwortet. Vor einigen Wochen hatte der Rechtsanwalt jedoch erklärt, bei der Suche nach potenziellen Investoren auf der Zielgeraden zu sein. Die „Staßfurter Volksstimme“ berichtete zuvor von chinesischen Interessenten. Diese könnten mit dem Jumbojet Boeing 747 Fracht aus China nach Cochstedt bringen. Dafür genehmigte das zuständige Landesverwaltungsamt die Nutzung der Start- und Landebahn auf einer Länge von 3 100 Metern.

Mit dem derzeitigen Insolvenzverfahren zog der dänische Eigner Peter Sølbeck nach fünf verlustreichen Jahren die Notbremse. Die dänische Betreibergesellschaft hatte 2010 den Flughafen vom Land übernommen, blieb aber hinter den eigenen Zielstellungen zurück. Zwar startete die Billig-Airline Ryanair von 2011 bis 2013 vom Salzlandkreis aus in den Süden. Seitdem landen dort nur noch Hobbyflieger und vereinzelt einige Privat- und Frachtmaschinen. Das Defizit soll zuletzt drei Millionen Euro im Jahr betragen haben. (mz)

http://www.mz-web.de/aschersleben/flughafen-magdeburg-cochstedt-bieterschlacht-mit-apple–24119050


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