Politisches Salzland

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Ein Sieg der Demokratie. Doch keiner hat gewonnen.

Als gestern kurz nach 18:00 Uhr Wahlleiter Kurt Hoffmann im Wahllokal in der Grundschule Wippertal in Giersleben begann, mit leicht zitternden Händen die Stimmzettel aus der mobilen Wahlurne für das ortsansässige Pflegeheim in die zwei (!) großen Wahlurnen für die Auszählung umzusteckten, da war ihm seine Nervosität und die Hoffnung auf das baldige Ende eines spannenden Wahltages deutlich anzumerken.

Waren doch viele Giersleber erschienen, um mit Argusaugen zu beobachten, wie die fleißigen und gewissenhaften Damen seines Wahlvorstandes sich daran machten, zu ermitteln, wer der beiden Kandidaten – Jana Richter oder Peter Rietsch – wohl neuer Bürgermeister der Wippergemeinde werden sollte.

Am Ende war es dann deutlich: Der amtierende Bürgermeister ist nun auch der neu gewählte, er vereinte auf sich mehr als das Doppelte der Stimmen, welche seine Kontrahentin errang.

Und das bei einer Wahlbeteiligung von nahe 70 %, wie sie wohl auch sein sollte, wenn es um eine derart gewichtige kommunalpolitische Entscheidung in einer Gemeinde geht, deren Einwohnerschaft in Bezug auf ihre gewählten Repräsentanten und das, wofür sie inhaltlich stehen so gespalten sind, wie nirgendwo sonst im Salzlandkreis und damit für entsprechende überregionale Aufmerksamkeit sorgt.

Den ganzen Tag über waren unaufhörlich Bürgerinnen und Bürger in den Wahlraum geströmt und mussten sich manchmal gar einreihen, um die Wahlkabinen nutzen zu können.

Dabei waren die äußeren Bedingungen mehr als widrig, der Winter hatte sich noch einmal kräftig aufgebäumt, Schnee in Massen, der von mehreren Schiebeschilden auch vor dem Wahllokal geräumt wurde. (Man danke auch diesen fleißigen Händen, hatten sie doch ihren besonderen Anteil daran, dass man ohne größere Probleme gar mit dem Pkw bis direkt vor die Tür fahren konnte.).

Das Bild an der Schultür unter dem Schild „Wahllokal“ entsprach genau den Verhältnissen, wie man sie an diesem Tag nicht nur in Giersleben vorfand.

Da war es schon beeindruckend, das viele Ältere den mühsamen Weg nicht gescheut hatten, eine der alten Dame geriet in am Eingang der Schule gar ins Straucheln und musste von stützenden Händen fast ein wenig in den Wahlraum getragen werden.

Was ist nun das Fazit aus unserer Sicht?

Die Giersleber haben ein klares Votum abgegeben und sich für ihren Bürgermeister in den nächsten sieben Jahren ausgesprochen. Sie setzen mehrheitlich auf personelle Kontinuität, eine beeindruckende Leistungsbilanz wollen sie auch unter zunehmend schwierigen äußeren Bedingungen fortgesetzt sehen und verstehen Peter Rietsch als den richtigen Mann, dabei voran zu gehen.

Auf der anderen Seite war die arge Enttäuschung jener zu vernehmen, die sich auch personell einen Neuanfang im Ort gewünscht hätten, mehr Transparenz, Antworten auf viele Fragen, wie, mit welchen Kosten, welchen Mittel und mit welchen Risiken für Zukünftiges Bisheriges geschaffen wurde, gerne erfahren würden, wo Verstecktes lauert und Unwägbares droht.

Diese Offenheit wurde bisher andauernd verweigert und auch für die unmittelbare Zukunft setzt man da keinerlei Hoffnungen in das neue Gemeindeoberhaupt. Eher wird das völlige Gegenteil erwartet.

Deshalb war sogleich zu vernehmen, dass nun mit noch mehr Nachdruck Antworten auf Fragliches eingefordert werden. Die zu geben, sollte ja wohl kein Problem sein. Oder?

Interessantes am Rande: Ist nun nach dieser Wahl schon bald der nächste Urnengang fällig? Muss nun zum Gemeinderat, der schon seit längerer Zeit unterbesetzt ist, endgültig nachgewählt werden? Trotz der Tatsache, dass ohnehin 2014 auch in Giersleben wieder Kommunalwahlen stattfinden?

Vielleicht kann sich ja hier irgendwie Sachkenntnis dazu äußern?

Der gestrige Tag in Giersleben war ein Zeichen, ein Zeichen für die Lebendigkeit der Demokratie, den manifestierten Bürgerwillens, zeigte Engagement, wenn man sich der Gewichtigkeit der eigene Stimme bewusst wird.

Doch der Unmut im Ort wird nicht abebben, die Kontroversen bleiben bestehen und die Fragen schicken sich an, bohrender zu werden.

In diesem Sinne gab es gestern in der „Wipperperle“ einen Sieger, aber keinen Gewinner.

 

 

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