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In aller Freundschaft …

ist wohl nicht zu Unrecht eine der beliebtesten deutschen TV-Krankenhausserien und so vereinnahmt das Geschehen in der „Sachsenklinik“ prominent einen Hauptsendeplatz oder den des gehaltvollen Lückenfüllers im Programm des Ersten und diverser dritter Kanäle der ARD.

Immer mitten im Geschehen die attraktiv-dralle Verwaltungsdirektorin Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt), eine exquisite Mischung aus knausrigem Kassenwart und femme fatale, als solche ein unabdingbares Markenzeichen der Medical Soap und seit Folge Eins im Jahr 1998 im TV-Dienst. Mithin 14 (!) Jahre auf dem Posten.

Gerade Weißkittel-Serien schieben ja allgemein das Vorurteil vor sich her, zwar die Tragik und Dramatik eines Krankenhausgeschehens abzubilden, wohl aber oftmals an der Realität vorbeizuschrammen.

Blickt man nun im Nachhinein auf das Geschehen in der ehemaligen kreiseigenen Salzlandkliniken-Holding (dessen – um im Medizinischen zu bleiben – Anamnese Sie im Blog „Gatersleber Briefe“ nachlesen können, wenn Sie den Suchbegriff „Krankenhaus“ eingeben), so erweist sich die Realität zwar als absolut drehbuchreif, heraus käme aber wohl nur ein Filmwerk, dessen Abgründe beim Zuschauer permanente Übelkeit verursachen.

Doch wer dachte, diese Geschichte habe in ihrer Skandalträchtigkeit mit der Privatisierung an AMEOS ihr Ende gefunden, erweist sich als schwer im Irrtum.

Womit wir bei Sarah Marquardt, die in unserem Fall ein Mann ist und Thomas Michling heißt, wären.

Herr Michling übernahm in prekärer kaufmännischer Führungssituation die Geschäftsführung des Klinikstandortes Aschersleben, wo der einstige Leiter des Rechnungsprüfungsamtes des Salzlandkreises (dafür von diesem beurlaubt) dann wohl noch Schlimmeres verhinderte, räumte dann im April 2012 nach der Privatisierung folgerichtig seinen Stuhl und kehrte als Leiter des Bereichs „Zentrale Steuerung“ nahtlos in die Kreisverwaltung zurück.

Vertragsgemäß bekam er dabei zusätzlich eine Abfindung in Höhe von 66.000 EURO für 16 Monate Geschäftsführertätigkeit, gezahlt und verbucht (Frau Marquardt hätten übrigens dann – verrechnet – Ansprüche in Höhe von knapp 711.000 EURO zugestanden.).

Nun sorgte dies, unverständlich vom Zeitpunkt her, aber nachvollziehbar zum Sachverhalt, für regionalpolitische und -mediale Aufregung, füllt gar an exponierter Stelle fast eine ganze Zeitungsseite der Lokalpresse.

Ja, angesichts der seinerzeitigen finanziellen Misere des Objektes Salzlandkliniken, millionenschwerer Verluste, einer fragwürdigen Privatisierung (abgelichtet als „prominenter“ Fall von Steuerverschwendung im diesjährigen Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler), diffuser Provisionen an die mit der Privatisierung beauftragten Anwaltskanzleien und Bankhäuser und des dubiosen Geschehens um Arbeitsrechtsstreit und Weiterbeschäftigung resp. Gehaltsfortzahlung der bzw. an die einstige Geschäftsführerin Melitta Planert ist die Abfindung an Herrn Michling schlichtweg das, was seit Hilmar Kopper als „peanuts“ bezeichnet wird.

Aber es passt weder in die konkrete Situation noch in das Gerechtigkeitsgefühl vieler Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, die fleißig arbeiten, stolz auf Profession und Bildung sind, für die eine solche Abfindung aber viel mehr als ein Jahresgehalt nach harter Arbeit darstellt. Vom eigentlichen seinerzeitigen und sicher auch heute noch fünfstelligen Monatssalär eines  Krankenhausverwaltungschefs ganz abgesehen.

Ein geeigneter Aufreger also.

Doch fragt man sich zweierlei: „Pacta sun servanta!“ heißt es bei den Juristen, „Verträge müssen eingehalten werden!“ und warum sollte dann unterbleiben, was dem Ex-Geschäftsführer folgerichtig zustand? Aber: Wer schloß diesen Vertrag ab? Akzeptierte bzw. gar formulierte die Abfindungsregelung und wo waren die Aufsichtsgremien (der Aufsichtsrat der kreiseigenen Krankenhaus GmbH) des Kreistages, als es darum ging, den Vertrag zu prüfen und zu billigen?

Wenn jetzt mit Johann Hauser (FDP) ein Kreistagsmitglied den Vorgang der Abfindungszahlung skandalisieren will, so ist das sicher populär und klingt gut, läuft aber eher auf billiges politisches Nachtreten hinaus.

Sicher: „In aller Freundschaft“ ist offenbar ein bequemer Handlungsgrundsatz von Landrat Ulrich Gerstner (SPD). Wenn denn demnächst ein Fazit von dessen Amtszeit gezogen wird, gehört bei allen Verdiensten auch eine beträchtliche (und kostspielige) Liste von Pleiten, Pech und Pannen dazu.

Sollte er auf eine Wiederwahl spekulieren, so sieht es wohl eher trübe damit aus. Und der SPD hat er auch nicht unbedingt Förderliches erwiesen.

Aber will er denn wiedergewählt werden? Sicher gibt es doch üppige Versorgungsansprüche? So oder so. In aller Freundschaft.

 

 

 

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