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Die Verbandsgemeinde Saale-Wipper – Schiff in schwerer See und ohne Kurs?

Zugegeben: Der Vergleich ist vielleicht nicht ganz passend, aber irgendwie erinnert die Verbandsgemeinde Saale-Wipper hier im Salzlandkreis an ein schlingerndes Schiff in schwerer See.

Es gibt alle Hände voll zu tun, die Mannschaft ist willens und diskutiert, was man wohl am besten zuerst anpackt, wartet aber vergeblich auf klare Kursangaben der Schiffsführung.

Denn dort haben die Offiziere gerade gegen den Käpitän geputscht, wollten ihn gar festsetzen und niemand ist erkennbar, der sich als Steuermann neu ans Ruder stellen könnte. Meuterei auf der Bounty sozusagen, eine moderne Variante, light, nicht in der Südsee, sondern an Saale und Wipper.

Genug des maritimen Gleichnisses.

Vor gut vier Jahren ebnete das Land Sachen-Anhalt in Analogie zu Rheinland-Pfalz den Weg zur Gründung von Verbandsgemeinden, eine wohldurchdachte Alternative z. B. zu Einheitsgemeinden und im Salzlandkreis nochmals aktiv mit der Verbandsgemeinde Egelner Mulde.

Doch stand dieses Vorhaben in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper trotz besten Willens der Beteiligten wohl von Beginn an unter keinem guten Stern und heute stellt sich die Frage, ob dabei auch persönliche Ambitionen exponierter Mitgliedsgemeindebürgermeister und Verbandsgemeinderatsvertreter eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben.

Auffällig: Wir können irren, aber nur wenige (wenn überhaupt) kommunale Gebietskörperschaften im Landkreis ermöglichen dem Außenstehenden einen solchen Einblick in das kommunalpolitische Geschehen. Portale wie „Wir sind Giersleben“ und „Saale-Wipper-Bürger“ tragen dazu ebenso bei wie lebhafte und engagierte, mutig-kontroverse Diskussionen im sozialen Netzwerk Facebook.

Wer diese verfolgt, erlebt unbedingten Willen zum Konstruktiven, Bereitschaft für persönlichen Einsatz, aber auch Ratlosigkeit und Unverständnis.

Denn ausgerechnet die dafür notwendige, demokratisch legitimierte politisch-legislative und -administrative Führungsebene, die Organe der Verbandsgemeinde (§ 1 (4) Gesetz über die Verbandsgemeinde in Sachsen-Anhalt – VerbGemG LSA) sind rettungslos zerstritten, abseits aller inhaltlichen und methodischen Zwistigkeiten kann man sich einfach nicht „riechen“, ist miteinander schlimmer als Hund und Katz, simpel nothing!

Was dabei in der Vergangenheit geschah, ist eben geschehen, man darf es nicht vergessen, sondern muss daraus lernen, engagierte Gemeindevertreter appellieren deshalb an Konstruktivität. Doch ist es nicht Zeit für ein Ende mit Schrecken anstatt eines Schreckens ohne Ende?

Schon steht das weitere Miteinander im Verbund zur Disposition, doch sollte man nicht zuerst einmal in die Verbandsgemeindevereinbarung schauen und ggf. nachdenken, wo man diese sinnvoll überarbeiten müsste?

Und liebe Bürger an Saale und Wipper, Ihre Probleme lösen sich nicht, wenn nicht ein oder gar mehrere Spieler vom Feld genommen werden, wen, wissen wir nicht, aber wer permanent grob foult oder falsch spielt, dem sollte man die Rote Karte zeigen und wer wie einst Frank Rijkaard Rudi Völler anspuckt, sollte gleich mitgehen.

Doch wer mimt den Schiedsrichter, spricht ein Machtwort und unterbricht die Holzerei und das Spiel, damit es danach sachlich und regelkonform weitergehen kann?

Eigentlich ist das klar.

Die Kommunalaufsicht, der Landkreis, er weiß, wie konkret VerbGemG LSA, Gemeindeordnung und Kommunalwahlgesetz anzuwenden sind, um das Chaos im Interesse der Bürger zu bewältigen ist.

Doch dort schweigt man weitestgehend, ist öffentlich nicht vernehmbar, will wohl eine vermeintliche Überparteilichkeit bewahren und hätte eigentlich doch nichts anderes zunächst zu tun, als zu sagen: Liebe Leute, wenn es so ist, dann müsst Ihr Euch eben eine neue Schiffsführung wählen! Und das geht so!

Das ist der kleine, aber wichtige Unterschied der Demokratie zur Autokratie des Käptn William Bligh und wäre der von den Irritierten geforderte Eingriff von außen.

Aber alles nur so Ideen, denn irgendwie kann man jenen Facebook-Nutzer verstehen, der anmahnte, seine Meinung zum Geschehen möge man nur kritisieren, wenn man selbst in der Verbandsgemeinde lebe und einem diese am Herzen liege.

Stimmt, wir wohnen dort nicht. Aber melden uns zu Wort. Denn irgendwie geht die „Affäre Saale-Wipper“ uns alle an. Als Demokraten!

 

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