Politisches Salzland

Aktuelle Diskussionen in der Region

Explosionen im kommunalpolitischen Sommerloch und Little Britain an Saale und Wipper

Welche Clownerie: Auch der Salzlandkreis schien in ein Sommerloch gerutscht, ein kommunalpolitisches. Man war verführt, mit Spannung abzuwarten, ob es einen mehr oder weniger stürmischen Herbst geben würde.

So versprachen z. B. Die PIRATEN, im Mai stammtischmäßig zum Entern auf lokalen Politikgewässern auch der Kreisebene angetreten, nach saisonaler Flaute einen neuen Anlauf für September, sicher in der Absicht, den großen Ankündigungen kommunalpolitischen Sturm und Drangs erste Taten folgen zu lassen.

Doch zunächst kam es aus anderer Richtung. Und ohne PIRATEN.

Erst regte sich in der Stadt Hecklingen und deren Ortsteilen erneut und gar als „Aufstand der Gebeutelten“ bezeichnet (MITTELDEUTSCHE ZEITUNG Online vom 23. Juli 2012) Heftiges gegen finanzielle Bevormundung und Wegelagerei durch Kreis und Land, dann vernahm man von höchst kriminellen Machenschaften im Abwasserzweckverband „Saalemündung“, wo leitende AZV-Mitarbeiter zum schweren finanziellen Nachteil der Gemeinden Nienburg, Calbe und Barby resp. derer Bürger gehandelt haben sollen („Im Untreue-Sumpf?“ – MITTELDEUTSCHE ZEITUNG Online vom 3. August 2012) und dann platzte einmal mehr dem Oberbürgermeister von Aschersleben, Andreas Michelmann der Kragen, weil durch das Land Sachsen-Anhalt gemachte Zusicherungen hinsichtlich der Entschädigung und Unterstützungen von Wasserschadensopfern aus der Naturkatastrophe in Aschersleben im September 2011 offenbar mit zweifelhaftem Begründungen auf die lange bürokratische Bank geschoben werden („Bürgermeister attackiert Land“ – MITTELDEUTSCHE ZEITUNG Online vom 9. August 2012).

Alle diese Geschehnisse wird POLITISCHES SALZLAND.DE natürlich weiter verfolgen.

Doch zeitgleich mit dem oberbürgermeisterlichen Husarenritt skandalisierte sich die Kommunalpolitik zuerst in der Wipper-Gemeinde Giersleben und dann in der ganzen Verbandsgemeinde Saale – Wipper.

Zunächst gerieten Verwaltung bzw. Gemeinderat mit erbosten Bürgern im beschaulichen Giersleben im öffentlichen Teil einer Ratssitzung derart aneinander, dass der vorsitzende stellvertretende Bürgermeister nach der staatlichen Ordnungsmacht rufen wollte (?), ließ (?), hat (?), um sein Hausrecht durchzusetzen, wobei zeitgleich sein Bruder, Gierslebens Bürgermeister Benno Rietsch, via vom Verwandten verlesenen Brief vom Amte zurücktrat, motiviert durch angebliche Angriffe auf seine Person und seine Familie. Wau! (u. a. „Heftiges Wortgefecht – Rietsch ruft Polizei“ – MITTELDEUTSCHE ZEITUNG Online vom 8. August 2012)

(Natürlich können Sie Details auch in der lokalen VOLKSSTIMME nachlesen! 😉 )

Doch an Saale und Wipper bekommt derzeit der Begriff „Palastintrigen“ wohl ganz neue Inhalte, denn zunächst beschuldigte der Verwaltungsgemeinderat Verbandsbürgermeister Steffen Globig in Komplizenschaft mit einem IT-Mitarbeiter der Verwaltung des illegalen und kriminellen Abhörens des Mobiltelefons des oben genannten Benno Rietsch und unterstellte ihm das Anlegen nichtlegaler Dossiers über den Verbandsgemeinderat. Man suspendierte die Beschuldigten und erteilte ihnen Hausverbot für ihre Diensträume. Nun folgte der übliche Rechtsweg, Globig wehrte sich erfolgreich, der Verbandsgemeinderat schlug erneut zu und sprach nun von Verletzung seiner dienstlichen Pflichten gegenüber den Mitgliedsgemeinden. Einfach und mit einem Wort, ohne weitere Details: Unappetitlich!

Natürlich gab es heftige, vor allem auch kontroverse Diskussionen zu diesen Dingen, der geneigte Leser kann Details z. B. auf den entsprechenden Facebook-Seiten „Wir sind Giersleben“ und „Frag doch mal den Bürgermeister der Verbandsgemeinde!“ (siehe Seitenleiste) oder in diversen Artikeln der Lokalpresse nachlesen (Tipp aus Erfahrung: Da lohnt es sich, mal wieder die gedruckte Zeitung zu kaufen! 😉 ).

Doch es bleibt ein vielfach unangenehmer Beigeschmack von Little Britain an Saale und Wipper, erinnert das Geschehen doch fatal an den Abhörskandal um Robert Murdochs Skandalblatt News of the World vor etwa einem Jahr. Nicht an der Themse und viel kleiner, zutiefst provinziell, aber menschlich ebenso verwerflich und intrigant – eben Little Britain an Saale und Wipper.

Nun muss man der Dinge harren, die da kommen, aber eines steht fest: Exekutive und Legislative in Giersleben haben sich in der Sache bisher öffentlich nicht positioniert, ein tiefer Riss geht quer durch die Wippergemeinde und wohl niemand vermag zu erkennen, wie er zu schließen ist.

Und der so arg gebeutelte Verbandsbürgermeister Steffen Globig hat das wohl einzig Richtige getan: Er erklärte sich öffentlich u. a. via Facebook und Presse, wurde selbst offensiv und spielte den Ball zurück in das Feld jener, die ihn so nassforsch anklagen.

Falls er sich gedemütigt fühlt und erbost ist, so merkt man dies seinen klaren Zurückweisungen mit keiner Silbe an.

Dafür schweigen sich offenbar die Kläger aus, keine Stellungnahmen gegenüber den Bürgern, keine Positionen. Ignoriert man die öffentliche Debatte bewusst? Ist das etwa schon das Eingeständnis eigenen Scheiterns?

Wir hier können nicht hinter die Kulissen schauen, schildern nur zu Beobachtendes.

Aber die Verbandsgemeinde Saale-Wipper erscheint hinsichtlich ihrer politischen Akteure wie ein Sumpf, ein Sumpf, von dem schon Johann Wolfgang Goethe wusste:

Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, verpestet alles schon Errungene; Den faulen Pfuhl auch abzuziehen, das letzte war das Höchsterrungene.

Das sollten die Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinden bald tun. Der alte Geheimrat wäre bestimmt an ihrer Seite. 🙂


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4 Responses to “Explosionen im kommunalpolitischen Sommerloch und Little Britain an Saale und Wipper”


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