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Kommunalpolitische Randnotiz: Ein Verein kann gehen!

 

Wir sehen es ganz realistisch: Für den Leser ist die Auflösung des Verkehrsvereins Aschersleben höchstens eine kleine Randnotiz wert. Betrachtungen dazu scheinen unnötig, doch steckt dahinter auch ein Stück Kommunalpolitik in der Eine-Stadt. Ein unrühmliches!

 

Bis 2010, dem Jahr der Landesgartenschau und damit des touristischen Anziehungspunkts für Aschersleben (Foto: Blick zum Stadtcafé Küster) schlechthin, war der Verkehrsverein als Zusammenschluss engagierter Geschäftsleute und Bürger das Aushängeschild im Fremdenverkehrsgeschehen der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts.

 

Schaut her,  jetzt 1997 haben Lokalpatrioten die Ärmel hochgekrempelt, sich in die Pflicht nehmen lassen und erfolgreich ein Vorhaben angeschoben, welches jener Stadt, die sich auch schon mal gern „Tor zum Harz“ nennt, ein attraktives Außenbild verschaffen soll.

 

Vor zwei Jahren dann der Höhepunkt dieser Entwicklung und es gab wohl niemanden, der den gewichtigen Anteil des Verkehrsvereins am Erfolg des Blütenwunders als Element eines Teils der zeitgleichen Internationalen Bauausstellung Stadtumbau 2010 bestritt.

 

Da war die prächtige 1.250 Jahr-Feier Ascherslebens 2003 schon fast ein wenig vergessen, doch verbindet sie den Autor mit dem Verein, nutzt er doch noch heute einen Stockschirm, vertrieben in der Tourismusinformation am Sitz des Vereins in der Aschersleber Taubenstraße 6.

 

Doch nach 2010 war es eigentlich um die Bürgerinitiative geschehen. Frei nach Friedrich Schiller entschied die Stadt Aschersleben, der Verein habe seine Schuldigkeit (bei Schiller Mohr und Arbeit 😉 ) getan, der Verein könne gehen. Aus finanziellen Erwägungen heraus entschied sich die Kommune, strukturell ihr wichtigsten Kultureinrichtungen in der Aschersleber Kulturanstalt, einer Anstalt öffentlichen Rechts, zu vereinen, ihnen ein besser handhabbares betriebswirtschaftliches Dach zu verpassen und in diesem Zusammenhang bisher dem Verein zufließende öffentliche Mittel für das Tourismusmarketing in diese Anstalt umzuleiten.

 

Der Anfang vom Ende des Verkehrsvereins Aschersleben. Und die Mitstreiter ahnden ebenso wie der Beobachter die nun beginnende Agonie. Welcher Verein dieser Ausrichtung kann schon allein von Mitgliedsbeiträgen oder Spenden leben. Aber die Ziele des Vereins waren weiter und wie eh und je im ureigensten, essentiellen Interesse des Fremdenverkehrsstandorts. Vom eher weniger wahrgenommenen, aber von Heimatstolz getragenem Beitrag zur Lokal- und Regionalgeschichtsforschung ganz abgesehen.

 

Inhaltliche und vor allem strategische Erwägungen können also bei dem Verwaltungsschritt höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Wenn überhaupt.

 

Und wer kann außerhalb pflichtgemäßer, selbstberuhigender öffentlicher Statements heute wirklich noch behaupten, die Aschersleben Kuturanstalt wäre ein Erfolgsmodell gelungenen Veranstaltungs- und Stadtmarketings? Wo wäre Aschersleben ohne seinen Kunst- und Kulturverein oder seine Kaufmannsgilde?

 

In diese Struktur gehörte auch der Vereinsverein. Doch erscheint er verzichtbar.

 

Sicher: Seine Akteure haben neue Ideen und Betätigungfelder, geben sich optimistisch, wollen sich auch weiterhin für „ihre“ Stadt engagieren.

 

Doch das im SuperSonntag vorgestern veröffentlichte kleine Gruppenbild des Abschieds nach der Vereinsauflösung spricht Bände: Nur Renate Horn scheint ein wenig zu lächeln, allen anderen ist der Frust überdeutlich ins Gesicht gebrannt!

 

Verständlich.

 

Denn erneut haben wir ein trauriges Beispiel dafür erlebt, wie jahrelanger bürgerschaftlicher Einsatz, Erfahrungen und Kontakte leichtfertig mit dem kommunalen Taschenrechner möglicherweise unwiederbringlich und buchstäblich „in die Tonne gekloppt“ werden.

 

Übrigens: Im World Wide Web gibt es den „Verkehrsverein Aschersleben“ weiter. Nicht wenige von 4.400 Suchmaschinentreffern verweisen auch immer noch auf dessen Sitz in der Aschersleber Taubenstraße 6.

 

Sehen Sie: Das Internet vergisst tatsächlich nichts!
🙂

 

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